Startseite » Aktuelles » Orgelkonzert am 6. August 2017 in der Wallfahrtskirche St. Anna

Orgelkonzert am 6. August 2017 in der Wallfahrtskirche St. Anna

Wie der Musikglanz einer Orgelweihe

Professor Martin Bernreuther auf der Orgelbank in St.-Anna bei Plana/CZ

Die Orgel  und das Cembalo sind die Musikinstrumente, die  ohne den Einsatz jener Lautstärkegrade auskommen müssen.  Der gute Organist muss ein Zeitkünstler sein. Er muss das Element des verzögerten oder beschleunigten Toneinsatzes, des Bindens wie des Absetzens von Tönen, also Agogik wie Artikulation in vielen Varianten beherrschen – die Agogik, die nicht primär die Emotion, sondern vor allem geistigen Überbau benötigt, um dann im Ergebnis wiederum emotional wirken zu können.

Dies demonstrierte am vergangenen Sonntag der Eichstätter Domorganist Prof. Martin Bernreuther: Erstausbildung bei Viktor Ballon, in Waldsassen geboren und die Jugend verbracht, jenem Klosterstädtchen, dem überdurchschnittlich viele Musikprofessoren und -Dozenten entwachsen sind. Martin Bernreuther spielte auf der durch Boris Mettler neu restaurierten Barockorgel in einer Aura aus Odem der Zeit samt Patina der St.-Anna-Kirche, die darüberhinaus akustisch wunderbar wirkt, wenn sich – wie hier geschehen – der Organist mit seinem Spiel diesem Raum anpassen kann. Souverän wie der Musikglanz einer Orgelweihe wirkte dieses Konzert des Domorganisten.

 

Dass er innig-intim sich ausdrücken kann, bewies er prototypisch mit zwei kurzen Stücken, dem Bach’schen Choralvorspiel „Liebster Jesu, wir sind hier“ und der Übertragung eines kleinen Juwels für Glasharmonika von Wolfgang Amadeus Mozart, dem Adagio in C-Dur, KV 356, einem Stücklein, das unmittelbar zu Herzen geht. Die einleitende auf Orgelpunkten virtuos präludierende Toccata in F-Dur von Johann Pachelbel war wie die Visitenkarte eines schönen und gut gestimmten Klanges der St.-Anna-Orgel. Mit den fast 10 Magnifikat-Versetten von Johann Speth (1664 – 1719) färbte Martin Bernreuther durch interesannte Registerkombinationen dieser Sätzchen Raum und Zuhörerohren ein. Quasi alle Register dieser schönen Barockorgel zogen er bzw. seine musikbegabte 15-jährige Tochter Anna als Registrantin in Buxtehudes Choralfantasie über „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ – ein Kontrastbeispiel für rasante Tonfolgen wie zurückhaltende Eindringlichkeit. Die Schwergängigkeit der Tastatur einer solch alten mechanischen Orgel beeinträchtigte die Schnelligkeit in keiner Weise, was von einem versierten in vielen europäischen Städten auftretenden ehemaligen künstlerischen-Diplom-mit-Auszeichnung-Lehrndorfer-Schüler zeugt. Werke der barocken Komponisten Domenico Zipoli, Andrés de Sola und des süddeutschen Vorklassikers Franz Xaver Schnizer (1740 – 1785) waren weitere Beiträge dieses gut einstündigen Konzertes. Wolfgang Amadeus Mozarts bekanntes, oft bearbeitetes und „ohrwurm“-thema-behaftetes Kammermusikwerk Adagio und Rondo in c/C, KV 617, hier in einer Bearbeitung Bernreuthers, war quasi der akustische Hit zum genießenden Zurücklehnen.

 

Mit langanhaltendem Applaus quittierte das Publikum die beeindruckende Stunde. Herbert Konrad, der Vorsitzende des Fördervereins St. Anna,  betonte in seinen Dankesworten, dass dieses schöne Konzert aufgrund einer Anfrage von Prof. Martin Bernreuther  selbst zustandekam, der es als Benefiz-Konzert zur Erhaltung der St.-Anna-Kirche bestritt. Mit einem St.-Anna-Ehrenteller entließ Konrad den Eichstätter Domorganisten, den Stiftländer, der grenzüberschreitend im benachbarten ehem. Egerland so einen Riesen-Eindruck hinterließ.

 

Text von Maximilian Schnurrer, bearbeitet von Herbert Konrad.